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DFG-Netzwerk
Wissenschaftliches Netzwerk Gelehrte Polemik
Die Untersuchung der historischen Wahrnehmungsweisen von Polemik, der Begründungsmodelle für Streit und der für geeignet erachteten rhetorischen und literarischen Verfahren des Polemisierens stehen im Zentrum des Wissenschaftlichen Netzwerks Gelehrte Polemik, das von Wissenschaftlern der Humboldt-Universität zu Berlin und der Justus-Liebig-Universität Gießen koordiniert und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert wird.
Rekonstruiert werden soll die ‚Schärfe‘ in intellektuellen Kontroversen in der europäischen Gelehrtenrepublik im Zeitraum von 1600 bis 1800. Einerseits besteht in den wegweisenden Studien zur akademischen Streitkultur, die in den letzten Jahrzehnten vorgelegt wurden, disziplinübergreifend Konsens über die eminente Bedeutung der Polemik im Entstehungskontext der frühmodernen Gelehrsamkeit, andererseits sind bisher aber kaum disziplinübergreifende Versuche unternommen worden, die unterschiedlichen Felder der historischen Polemikforschung zusammenzuführen. Das soll durch die interdisziplinäre Anlage des Netzwerks geleistet werden.
Ziel des Netzwerks ist es, auf der Basis des aktuellen theoretischen und methodischen Forschungsstandes eine disziplinenübergreifende Polemikforschung zu entwickeln. Dabei sollen unter anderem die folgenden drei Fragekomplexe erkenntnisleitend sein:
1. Foren der Polemik: Inwiefern sind Strategien der gelehrten Konfliktführung im Spannungsfeld von Öffentlichkeit und Privatheit zu situieren? Inwiefern sind neben dem öffentlichen Streit auch mehr oder weniger private Formen der Polemik zu berücksichtigen?
2. Disziplinen der Polemik: Inwiefern ist Polemik für den Untersuchungszeitraum als ‚Innovationsmotor‘, mithin als Ausgangspunkt und Antrieb von Verwissenschaftlichungsschüben und wissenschaftlichen Ausdifferenzierungsprozessen zu verstehen? Findet im Rahmen von Gelehrtenstreitigkeiten auch eine Spezialisierung des wissenschaftlichen Feldes in Expertenkulturen statt?
3. Einsätze der Polemik: Inwiefern ist Polemik ein Medium gelehrter Rangstreitigkeiten? Artikulieren sich in gelehrten Polemiken auch Spannungen zwischen einem egalitären Gelehrtenideal und einer faktisch hierarchisch operierenden Wissenschaftspraxis?
Weitere Informationen über das Wissenschaftliche Netzwerk enthalten die folgenden Seiten über die beteiligten Personen und ihre Forschungsprojekte sowie über die Arbeitstreffen und Publikationen. Bitte nutzen Sie auch die Möglichkeiten der Kontaktaufnahme.
last modified
11-12-11
spoerhac