Die Kalkulierbarkeit der Literatur
- https://www.literatur.hu-berlin.de/de/aktuelles/veranstaltungen/die-kalkulierbarkeit-der-literatur
- Die Kalkulierbarkeit der Literatur
- 2026-03-19T00:00:00+01:00
- 2026-03-20T23:59:59+01:00
- Wann 19.03.2026 bis 20.03.2026
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Die Kalkulierbarkeit der Literatur. Praktiken, Diskurse, Mediendispositive, 19.-20.3.26, HU (Hauptgebäude, EG, 1066e)
Fragen der ästhetischen, ökonomischen und technischen Rationalität spielen im gegenwärtigen Literatur- und Kulturbetrieb eine bedeutende Rolle. Ob in der Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz, die als „Atombombe“ (Stephan 2024) für den Literaturmarkt und „Revolution der Produktion“ (Lobe 2024) antizipiert wird, ob in der Diskussion um Konzernverlage (Schiffrin 2000, Sinykin 2023), die mit Profitabilitätserwartungen das harmonische Verhältnis von Literatur und Ökonomie stören, ob in der Debatte um das „Ende der Autonomie“ (Ullrich 2022) oder um eine schematische Literatur im populären und gehobenen Literatursegment (Baßler 2022) – stets scheint die Literatur von außerliterarischen Interessen und Ansprüchen dominiert zu werden, die ästhetische Unberechenbarkeit nicht benötigen oder sogar negieren. Die Beiträge sind Symptome für eine Transformation und Umstrukturierung der literarischen Öffentlichkeit, auch wenn sie sich als aktuelle Ausformungen einer Debatte verstehen lassen, die in ihren Anfängen so alt ist wie das literarische Feld selbst. Mit der Institutionalisierung des Feldes im 18. Jahrhundert haben sich Beschreibungs- und Wertungskriterien ausgebildet, die das Verhältnis von Literatur und Kalkulierbarkeit betreffen und die bis in den heutigen Diskurs hineinwirken.
Darüber, ob und gegebenenfalls wie die verschiedenen Phänomene – also medientechnische Entwicklungen, der institutionelle Umbau des Literaturbetriebs und Transformationen im Verhältnis von ‚Literatur‘ und ‚Wirtschaft‘ – zusammenhängen, wird im kulturkritisch grundierten Diskurs häufig sehr schnell entschieden, obwohl dabei vieles unklar bleibt. Aus literaturwissenschaftlicher Sicht empfiehlt es sich deshalb, einen Schritt zurückzutreten und das Spannungsverhältnis von Literatur und unterschiedlichen Dimensionen von Kalkulierbarkeit auf seine gegenwärtigen und historischen Funktionslogiken hin zu befragen: Wie lässt sich die Kalkulierbarkeit der Literatur vor dem Hintergrund neuerer und älterer Entwicklungen ausdifferenzieren? Welche Praktiken, Diskurse, Institutionen und Mediendispositive sind dabei zu berücksichtigen? Und welche theoretischen Werkzeuge und quantitativen Analyseverfahren können zur Betrachtung des breiten Spektrums an Phänomenen in Stellung gebracht werden?
Asmara Wibowo und Florian Glück
