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  • Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Institut für deutsche Literatur

    Laufende Projekte

    Drittmittelprojekt "Naomi Wilzig Collection – Eine Kunstsammlung zur Kulturgeschichte der Sexualität"

    Im Sommer 2017 kommt die Sammlung des World Erotic Art Museum (WEAM) in Miami Beach/Florida für fünf Jahre als Leihgabe nach Berlin. Die Leihgabe ist mit einer großzügigen finanziellen Förderung verbunden. Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt mit der Florida International University (FIU). Eine Koooperation mit dem Kinsey Institute (Indiana University, Bloomington) ist in Vorbereitung.

    Die Gründerin und Leiterin des Museums, Naomi Wilzig (1934-2015), war Witwe des deutschen Holocaust-Überlebenden Siegbert Wilzig. Sie gründete das Museum im Jahr 2005 und leitete es bis zu ihrem Tod im April 2015.

    Die 4.000 Objekte aus verschiedenen Epochen und Kulturen bilden eine exzellente Grundlage für die Erforschung der Kulturgeschichte der Sexualität von den Anfängen bis in die Gegenwart und für ihre Vermittlung in der Lehre.

    Die Sammlung ist in Teilen mit jener Sammlung vergleichbar, die Magnus Hirschfeld in seinem Institut für Sexualwissenschaft (1919-1933) unterhielt und die von den Nationalsozialisten im Rahmen der Bücherverbrennung zerschlagen wurde.

    Die Sammlung bietet einen zentralen Bezugspunkt für ein virtuelles Museum der Leidenschaften, das Ausstellungen in bestehenden Museen zeigt. Eine erste Ausstellung fand im Mai 2015 im Pergamon-Atrium der Humboldt-Universität statt (siehe unten). Eine zweite Ausstellung, die von März bis Mai 2018 im Berliner Museum der Dinge/Werkbundarchiv stattfinden wird, ist in Vorbereitung.

     

    Photo von der Website des WEAM -World Erotic Art Museum Miami

     

    Ausstellung:

    Protected Beauty

    Ausstellung des WEAM und des Kinsey Institute in Miami Beach vom 27.11.2016 bis 08.04.2017 mit Unterstützung der Indiana University Bloomington und der Humboldt-Universität zu Berlin

     

    Video:

    Naomi Wilzig spricht über die Anfänge des WEAM (2010)

    Drittmittelprojekt „Cruising the 1970s: Unearthing Pre-HIV/AIDS Queer Sexual Cultures“ (CRUSEV)

    CRUSEV-Website

    Das europäische Forschungsprojekt wird gemeinsam mit UK (Edinburgh), Spanien und Polen durchgeführt. Es wird im Rahmen des HERA-Programms „Uses of the Past“ für drei Jahre gefördert (2016-2019).

    Im Mittelpunkt des Forschungsprojekts „Cruising the Seventies“ (CRUSEV) steht die Frage danach, wie lesbische, schwule, bisexuelle, transgender- und queere soziale und sexuelle Kulturen in der Dekade zwischen dem Aufkommen einer internationalen Homosexuellenbewegung und den ersten dokumentierten Fällen von HIV/AIDS zu rekonstruieren sind, wie sie verstanden werden können und welchen Beitrag dieses Wissen im Blick auf queere Politiken und Identitäten in Europas Gegenwart und Zukunft leisten kann.

    Das deutsche Teilprojekt erforscht den Zeitraum zwischen 1971, dem Jahr, in dem Rosa von Praunheims Film Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt die Gründung der ersten Schwulengruppen in der BRD auslöste, und 1982, dem Jahr, in dem der Begriff AIDS wissenschaftlich definiert wurde. Das Teilprojekt stellt das dominante Narrativ der Lesben- und Schwulenbewegung der 1970er Jahre als eines Goldenen Zeitalters der queeren Geschichte in Frage, in dem es historische Zeugnisse, Literatur und Filme der Zeit über und von LSBTQ in den Blick nimmt und sie in Beziehung zu zeitgenössischen Texten, Ausstellungen und Interviews setzt.

    In zwei aufeinander bezogenen Unterprojekten wird der DDR- bzw. BRD-Kontext fokussiert. In vergleichender Perspektive werden so Parallelen und Differenzen in der Bewegungspolitik und den kulturellen Äußerungen in Ost und West vergleichbar. Zugleich fokussieren die beiden Unterprojekte Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen schwulen und lesbischen Emanzipationspolitiken.

    Kooperationspartner_innen: Daniel Baranowski, wissenschaftlicher Referent (Bundesstiftung Magnus Hirschfeld); Maria Borowski (Technische Universität Berlin); Deutsche AIDS-Hilfe Berlin; Dr. Benno Gammerl (Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin); Prof. Dr. Elahe Haschemi Yekani (Europa-Universität Flensburg); Dr. Dirck Linck (Berlin); Patsy l'Amour laLove (Humboldt-Universität zu Berlin); Schwules Museum*, Berlin; Dr. Marc Siegel (Goethe-Universität Frankfurt/Main); Spinnboden Lesbenarchiv und Bibliothek, Berlin

     

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    Drittmittelprojekt „Jewish Presence in Weimar Gay and Lesbian Culture and the German-Jewish Contribution to the Emergence of Gay Culture in Palestine/Israel, 1933-1960“

    Das gemeinsam mit der Hebrew University of Jerusalem durchgeführte Forschungsprojekt wird in der ersten Phase (2016) von den beteiligten Universitäten und in der zweiten Phase (2017-2019) von der German-Israeli Foundation for Scientific Research and Development gefördert.

    Das Berliner Teilprojekt fokussiert die Präsenz jüdischer Protagonist*innen im schwulen und lesbischen Berlin vor 1933. Erforscht wird der spezifisch jüdische Beitrag zu Berlin als einem Zentrum der homosexuellen Kultur sowie der homosexuellen Emanzipationsbewegung in der Weimarer Republik. Besonderes Interesse richtet sich auf das kulturelle Engagement jüdischer Aktivist*innen und Künstler*innen für die schwul-lesbische Community sowie das politische Engagement von Ärzt*innen, Jurist*innen und Wissenschaftler*innen für die Abschaffung des Sonderstrafrechts gegen Homosexuelle. Zugleich richtet sich der Blick auf das Schicksal der jüdischen Protagonist*innen nach 1933 und die Erforschung ihrer Fluchtwege, insbesondere derjenigen, die nach Palästina führten.

    Der Fokus des israelischen Teilprojekts richtet sich auf die Impulse, die homosexuelle Immigrant*innen für die Herausbildung einer queeren Community in Palästina/Israel leisteten. Inwieweit konnten die Eingewanderten im gesellschaftlichen Kontext ihres Exils subkulturelle Formen homosexueller Geselligkeit, aber auch den politischen Aktivismus für die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Liebe einbringen, fortführen oder weiterentwickeln? Mit der Untersuchung dieser Aspekte der Geschichte Israels leistet das Projekt Grundlagenforschung.

     

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    Modell-Projekt Aids-Archiv

    Mit dem Modellprojekt Aids-Archiv schafft unsere Forschungsstelle in Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek im Grimm-Zentrum eine Grundlage für den Aufbau einer Sammlung zur Kulturgeschichte von HIV/Aids. Zu diesem Zweck ergänzt sie die Bestände im Haeberle-Hirschfeld-Archiv zur Aids-Politik durch eine komplementäre Auswahl von Vor- und Nachlässen.

    Ziel ist der schrittweise Aufbau eines exemplarischen Sammlungsbestandes, um ihn für die künftige Forschung zu sichern. In Anbetracht großer Lücken zu diesem Thema in den Archiven, Bibliotheken und Sammlungen stellt die Sicherung von Beständen zur kulturpolitischen Geschichte von HIV/Aids und deren Erforschung eine zentrale Aufgabe dar.

    Bei der Erweiterung geht es um die Sicherung jener Spuren, die das Leben mit HIV und Aids nicht nur bei homosexuellen Männern in den vergangenen Jahrzehnten hinterlassen hat. Zu diesem Zweck ist es wichtig, die entstandenen neuen Formen der Selbstorganisation, des Empowerment und der politischen Intervention in ihrer Vielfalt zu dokumentieren. Im Mittelpunkt stehen private und institutionelle Materialien, anhand derer sich die persönlichen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen mit HIV/Aids exemplarisch darstellen lassen.

    Die Forschungsstelle arbeitet zur Umsetzung dieses Vorhabens mit den Mitarbeiter/innen des Arbeitskreises Aids-Geschichte ins Museum, Corinna Gekeler und Axel Schock, zusammen.

    Das Projekt wird von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld finanziell gefördert.

     

    Axel Schock und Corinna Gekeler

    Digitalisierung der Zeitschrift Der Eigene

    In Zusammenarbeit mit dem Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität und dem Schwulen Museum Berlin digitalisiert unsere Forschungsstelle die Berliner Kunst- und Kulturzeitschrift Der Eigene: Ein Blatt für männliche Kultur, um sie der Forschung online öffentlich zugänglich machen.

    Die Zeitschrift erschien von 1896 bis 1933. Sie war für die Homosexuellenbewegung im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts von größter Bedeutung und stellt in der Bibliothekslandschaft heute eine Rarität dar. Insofern ist es zugleich ein herausragendes Dokument für die kulturwissenschaftliche Sexualforschung.

    Die Bestände im Grimm-Zentrum der Universitätsbibliothek bilden die Grundlage für das Digitalisierungsprojekt. In Kontakt mit weiteren Bibliotheken und Privatsammlungen im In- und Ausland ermittelt die Forschungsstelle weitere Bestände, um eine vollständige Digitalisierung der Zeitschrift zu gewährleisten.

     

     

    Monographie über Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft (1919-1933)

    Unsere Forschungsstelle unterstützt die Fertigstellung einer Monographie über Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft (1919-1933) in Zusammenarbeit mit der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld und der Berliner Gesellschaft für Geschichte der Medizin e.V., die von Rainer Herrn erarbeitet wird. Darin werden die vielfältigen Tätigkeits- und Wirkungsbereiche des Instituts dargestellt und in die Wissenschafts- und Zeitgeschichte eingeordnet. Beschrieben werden u.a. die von Institutsmitarbeitern vertretenen wissenschaftlichen Positionen und deren Auswirkungen auf Sexualtherapie und –forensik sowie die Aktivitäten in den Bereichen Sexualaufklärung, -beratung und –reform. Außerdem geht er auf Darstellungen der Institutssammlungen des sexualhistorischen Museums sowie der sexualwissenschaftlichen Bibliothek ein.

     

    Abgeschlossene Projekte

    Aus dem Museum der Leidenschaften. Sammlungen zur Kulturgeschichte der Sexualität von Magnus Hirschfeld (Berlin, 1919-1933) und Naomi Wilzig (Miami, 2005-2015)

    Unsere Forschungsstelle erarbeitete im Rahmen eines von der Exzellenzinitiative der HU geförderten Projekts mit Nachwuchswissenschaftler_innen eine Ausstellung mit dem Titel „Aus dem Museum der Leidenschaften. Sammlungen zur Kulturgeschichte der Sexualität von Magnus Hirschfeld (Berlin, 1919-1933) und Naomi Wilzig (Miami, 2005-2015)“. Ziel ist ein Vergleich der Sammlungen Magnus Hirschfelds und des World Erotic Art Museum.

    Ein Team internationaler Nachwuchswissenschaftler_innen wirkte an der Konzeption der Ausstellung mit. Die Gestaltung übernahmen drei studentische Mitarbeiter_innen aus den Fachbereichen der Kunstgeschichte, der Museologie sowie aus dem Institut Kunst im Kontext (UdK). Sie wurden dabei von Prof. Michael Fehr, Vorstand im Museum der Dinge, beraten und von Helmut Schuster, Kurator am World Erotic Art Museum, unterstützt.

     

    Ausstellung im Pergamon-Atrium  Fotograf: Andreas Pretzel

    Entstehung der Ausstellung

    Vernissage

    Einblicke in ein Werkstatt-Projekt

    Dokumentation der Ausstellung

     

     

    Hirschfelds Testament

    Verfasst in Form eines Tagebuchs, bietet das Testament von Magnus Hirschfeld Aufschluss über die letzten Jahre seines Wirkens und seine Bemühungen das Erbe zu sichern. Es dokumentiert seine Weltreise und seinen Aufenthalt im Exil in Österreich, der Schweiz und Frankreich bis hin zu seinem Tod 1935.

    Unsere Forschungsstelle hat die von Ralf Dose im Mai 2013 herausgegebene Edition dieses historischen Dokuments unterstützt und finanziell gefördert (vgl. Veröffentlichungen).

     

     

    Buchcover: Magnus Hirschfeld: Testament. Heft II.
    Hg. v. Ralf Dose.
    Berlin: Hentrich und Hentrich 2013.

    Hirschfelds Vermächtnis: Erschließung der Stiftungsakten

    Als Magnus Hirschfeld 1919 mit der Errichtung einer Stiftung die Grundlage für das von ihm begründete Institut für Sexualwissenschaft schuf, verfügte er: „Für den Fall, dass die Stiftung […] aufgehoben werden sollte, soll das Stiftungsvermögen an die Universität Berlin oder, falls diese die Annahme ablehnt, an eine andere Hochschule fallen…“ Dieser Fall trat mit der Zerschlagung des Instituts durch die Nationalsozialisten am 6. Mai 1933 ein. Die Berliner Universität schlug damals dieses Erbe aus.

    Unsere Forschungsstelle hat die Akte zur Errichtung einer Stiftung transkribiert. Auf dieser Grundlage verfasste Ralf Dose ein inzwischen publiziertes Buch, das das historische Dokument kommentiert, würdigt und in die Geschichte des Instituts einordnet. Zugleich dokumentiert die Studie die seit den 1980er Jahren unternommenen Bemühungen an der Humboldt-Universität, an die zerstörte Forschungstradition Berlins wieder anzuknüpfen, an das von Hirschfeld geleitete Institut zu erinnern und Verantwortung für das historische Erbe der Berliner Sexualwissenschaft zu übernehmen.

    Aktendeckel der Stiftungsakte m.f.G. Landesarchiv Berlin