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  • Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Institut für deutsche Literatur

    Aufgaben und Ziele


     

    Die professionalisierte Erforschung von Literatur und literarischer Kommunikation ist ein historisch langfristiges Projekt: Schon in den Bibliotheken von Alexandria, Athen und Pergamon sammelt und verzeichnet man Texte, ermittelt ihre Überlieferungsgeschichte und untersucht sie in regelgeleiteter Weise. Hier formiert sich eine Wissenskultur, deren Angehörige ihr besonderes Verhältnis zur sprachlich vermittelten Kultur in ihre Berufsbezeichnung eintragen: Philologie ist Liebe zum Wort; Philologen sind jene Freunde bzw. Liebhaber des Wortes, die eine lang anhaltende sowie Zeit und Aufmerksamkeit investierende Beziehung zum Gegenstand ihrer wiederholten Beobachtungen entwickeln. 

    Als Resultat einer langen und keineswegs geradlinigen Entwicklung können die konzeptionell und methodisch ausdifferenzierten Arbeitsformen der heutigen Literaturwissenschaft also auf eine reiche Geschichte zurückblicken. Das disziplinierte Wissen über Nationalsprachen und Nationalliteraturen, das seit der Begründung der modernen Forschungsuniversität im 19. Jahrhundert institutionelle Formate gewonnen hat und unter Fachbezeichnungen wie Germanistik und Anglistik, Romanistik und Slawistik, Klassische Philologie und Komparatistik studiert werden kann, ist einerseits Erbe einer seit dem europäischen Humanismus universell konzipierten Philologie, die neben dem Verständnis als enzyklopädische Gelehrsamkeit unterschiedliche Ausprägungen erfährt und sich der Heiligen Schrift, der antiken Überlieferung und den volkssprachlichen Literaturen widmet. Literaturwissenschaftliche Textumgangsformen schließen zum anderen an Varianten einer Literaturkritik an, die eine Bildungsinstitution der Grammatik in eine Praxis überführen, die sich immer mehr der aktuellen Textproduktion zuwendet und in Form periodisch erscheinender Journale institutionellen Charakter gewinnt. Bestand die kritische Behandlung von Texten in der spätgriechischen Philologie und im Schulbetrieb des Mittelalters wie der Frühen Neuzeit darin, ein linguistisch-systematisches Regelwissen sowie ein historisch-materiales Sachwissen auf die Kommentierung von (kanonischen) Sprachdenkmälern anzuwenden, erlangt sie mit dem Zuwachs der literarischen Produktion und der Zirkulation regelmäßig publizierter Zeitschriften eine prinzipiell neue Bedeutung: Literaturkritik umfasst nun kommentierende, urteilende, klassifizierend-orientierende, aber auch werbende oder denunzierende Äußerungen über Texte und entwickelt dazu spezifische Textsorten wie Charakteristik, Essay oder Rezension (die bis ins 19. Jahrhundert mit der editionsphilologischen Recensio verbunden wird).

    Mit der Ausbildung der modernen Forschungsuniversität seit Beginn des 19. Jahrhunderts gewinnen die im 17. und 18. Jahrhundert intensivierten literaturkritischen und philologischen Textumgangsformen eine neue Qualität. Die durch Wilhelm von Humboldt eingeleitete Neuorganisation der universitären Wissenskultur führt dazu, dass sich längerfristig verfolgte Bemühungen um die editorische Sicherung der deutschsprachigen Überlieferung und ihre kritische Behandlung institutionell etablieren. Auch wenn die an der Klassischen Philologie und an der Geschichtsschreibung orientierten Thematisierungsweisen noch nicht den Begriff „Literaturwissenschaft“ tragen und in ihren Lehrstuhlbezeichnungen („deutsche Sprache und Literatur“ u.ä.) einen weitgefassten Gegenstandsbereich signalisieren, können sie als Beginn einer wissenschaftlichen Bearbeitung von Literatur im Rahmen mehr oder weniger autonomer Strukturen aufgefasst werden. Sie unterscheiden sich von anderen Beobachtungen literarischer Texte, indem ihre argumentativ begründeten Äußerungen (a) durch regelgeleitete Verfahren systematisch strukturierte Lösungsangebote für rekursiv bearbeitete Problemstellungen anbieten, (b) den Geltungsanspruch erheben, „wahr“ bzw. intersubjektiv nachvollziehbar zu sein und (c) an eine durch Interessen und Zugangsvoraussetzungen homogenisierte gelehrte bzw. wissenschaftliche Gemeinschaft – die später so genannte scientific community – adressiert sind.

     

    Die Arbeitsstelle Fachgeschichte am Institut für deutsche Literatur der Humboldt-Universität zu Berlin erforscht die Wege dieser philologischen und literaturwissenschaftlichen Textumgangsformen unter besonderer Konzentration auf:

    • die Formierung historisch-philologischen bzw. literaturwissenschaftlichen Wissens und die Prozesse disziplinärer Institutionalisierung;
    • die Differenzierungs- und Spezialisierungsprozesse der universitären und außeruniversitären Erforschung und Vermittlung von Literatur;
    • die Praktiken der Wissensproduktion und des Wissenstransfers;
    • die Zusammenhänge zwischen Literatur und Literaturwissenschaft.